Zum Inhalt springen

Vom Bettenbau und Baumarkt-Feuilleton

Vor diesem Ausbau waren wir noch nie handwerklich tätig. Klar, hier und da mal ein Regal vom Schweden auf- und abgebaut. Aber Möbel selber bauen ist anders.  Es gibt so viele Dinge, die zu beachten sind, von denen wir vorher nicht den blassen Schimmer wussten und teilweise auch jetzt noch einfach nach Gefühl machen.

Basiselemente, die für den Anfang existenziell sind:
• Holz
• Werkzeug
• Schrauben, Winkel

Ein Besuch im Baumarkt aus meinem Blickwinkel. Es gibt ungefähr siebentausend Arten von Schrauben und jede kann etwas anderes besonders gut. Spannplattenschraube, Wiener Schraube, Bohrschraube, Justierschraube? Und dann stehe ich in dieser Masse von Schrauben und die einzige Frage, die ich mir stelle ist: Gibt es auch normale? Meistens sind dann meine Worte: „Lass uns einfach die schwarzen da nehmen, da steht irgendetwas mit Holz drauf.“ Schrauben sind wirklich nicht mein Gebiet und langweilen mich schon beim Anblick. Besonders interessant sind für mich im Baumarkt die Menschen, die tatsächlich stundenlang mit einem Lächeln im Gesicht vor diesen Regalen stehen können um Produkt für Produkt zu studieren und letztendlich die perfekte Schraube mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis finden. Irgendwie beneide ich sie für diese Geduld und ihr Begeisterungsvermögen. Auf Grund dessen, dass wir an manchen Tagen bis zu 5 mal in den Baumarkt mussten, weil wir Teile vergessen haben, das Holz leer war oder wir uns doch dazu entschieden haben Dinge einfach anders zu machen, konnte ich eine umfangreiche Studie zum Einkaufsverhalten anderer Menschen führen, während ich auf Yannik wartete. An dieser Stelle möchte ich noch kurz unserer Kassiererin danken, welche uns nahezu mehrmals täglich abkassiert hat. Zwischen uns ist eine Zynisch-Kollegiale-Kassiererin-Kunden-Beziehung entstanden, die ich sehr schätze.

Das Holz für einen Wohnmobilausbau sollte so leicht wie möglich sein, deshalb haben wir hauptsächlich Fichten- und Kiefernholz verarbeitet. Besonders Fichtenholz hat die Eigenschaften sehr weich und elastisch zu sein, dadurch kann es gut zum arbeiten verwendet werden. Wir haben ein stabiles Grundgerüst aus Kanthölzern gebaut und anschließend eine Vernetzung dieser Hölzer mit den Möbeln geschaffen. Das schien uns am robustesten. Die ersten Kanthölzer haben wir in die Karosserie mit eingeschraubt, die restlichen mit Winkeln und Schrauben ineinander.

Bettgestell 150 x 175 cm

Unterhalb des Bettes sollte eine Stauraummöglichkeit entstehen: Wasserflaschen, Klappstühle, vielleicht sogar Klappfahrräder, wollen untergebracht werden. Jetzt nennen wir diesen entstandenen Raum liebevoll „Garage“, da er viel größer geworden ist, als geplant. Um Stabilität zu erzeugen haben wir für das Grundgestell des Bettes nicht wie gewöhnlich 3×3 Kanthölzer verwendet, sondern 5×5, was wahrscheinlich noch nicht mal notwendig gewesen wäre, da unsere Konstruktion sehr stabil wirkt und wir damit etwas an Gewicht hätten sparen können. Die Liegefläche beträgt ca. 175 cm x 150 cm, man könnte meinen, das wäre zu groß für einen Campervan.  Ich finde es sehr wichtig, dass das Bett groß genug und bequem ist, schließlich verbringt man darin ca. 8 Stunden vom Tag.

Warum haben wir kein ausklappbares Bett gebaut?
Als es darum ging zu entscheiden, wie das Bett gebaut werden soll, haben wir uns diese Frage auch gestellt und vor unserem geistigen Auge, die Situation abgespielt, dass wir jeden Tag das Bett samt Kissen und Decken hin und her schleudern würden. Und dann waren wir eigentlich nur noch ehrlich zu uns selbst und haben reflektiert, dass unsere Motivation, das Bett jeden Tag auf- und ab zubauen stetig sinken würde und wir es irgendwann einfach aufgebaut lassen würden, deshalb machen wir uns gar nicht erst die Mühe irgendeine besonders platzsparende Konstruktion eines Bettgestells zu bauen. Vermutlich ist das eine Frage der Komfortzone oder des Charakters. Oder des Faulheitsgrades. Jeder muss sich in dieser Situation selber und ehrlich einschätzen.

Zum Lattenrost gibt es nicht viel zu sagen, allerdings ist das gerade auch ein Konfliktpunkt. Einfache aneinandergereihte Bretter, die simpelste Methode ein Lattenrost nachzustellen. Das war in der Praxis auch gut umsetzbar. Während des Bauens ist uns eine Konstruktion eingefallen, die es zulässt von “oben” auf die “Garage” zuzugreifen. Und nun zum Problem: wir haben Kaltschaummatratzen mit dem Härtegrad 2,5, was mir in Kombination mit dem selbstgebauten Lattenrost absolut hart erscheint, Yannik hingegen findet es sehr angenehm.

Unsere am häufigsten benötigten Werkzeuge beschränken sich grundsätzlich auf zwei Akkuschrauber, ein Schleifgerät und eine Stichsäge. Bis auf einen Akkuschrauber haben wir keins davon selber gekauft, sondern von Freunden und Familie ausgeliehen. Richtig gutes Werkzeug hat seinen Preis und damit wurden uns mehrere Hundert Euro erspart. Was wir vermissen ist, eine Tischkreissäge, mit der Stichsäge lässt es sich das Holz nicht so sauber schneiden.

Ihr bekommt hier also eine Zusammenstellung aus zwei Menschen, die 1. ein Wohnmobil mit 3 Werkzeugen ausbauen, 2. auf dieses Wohnmobil eine Photovoltaikanlage gebaut haben ohne irgendeinen Plan von Elektrik zu haben und 3. vorher noch nie ein Möbelstück selbst gebaut haben.

Bea

2 Kommentare

  1. @mountain.van @mountain.van

    👌

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.