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Noch 22 Tage – Gedanken

Als Yannik mir zum ersten Mal davon erzählte, dass er einen Van ausbauen, unsere Wohnung kündigen möchte, alles verkaufen und dann damit auf Reisen gehen möchte, war meine erste Reaktion, ohne darüber nachzudenken, ungefähr so: Was hast du heute geraucht?

Bis ich wirklich darüber nachgedacht habe, hat es relativ lang gedauert. Wir hatten anfangs andere Pläne. Karriere, Familie. Und ich empfand diese Pläne als relativ gut und sicher. Aber Pläne ändern sich. 

Und so haben wir uns Tag für Tag darüber unterhalten. Über dieses „Vanlife“. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen. Wir sprechen vom Jahr 2017. Ich würde sagen, da hat diese Welle gerade begonnen. Zumindest für uns, in den Social Media Kanälen. Wir waren in dem Kinofilm „Expedition Happiness“. Mogli und Felix haben sich in Amerika einen Schulbus ausgebaut, um damit bis nach Feuerland zu reisen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich angefangen nachzudenken. Warum nicht? Was hält uns? 

Also trennten wir uns von unserer Innenstadtwohnung. Ein leichtes Opfer. Hinter uns liegen schon mehrere Umzüge. Wir lebten seit August 2017 in einer süßen 35 qm 1-Raum-Wohnung. Suchten nach einem geeigneten Transporter. Und fanden ihn im Oktober 2017. Hier beginnt unsere Reise. Wir kauften also Unmengen an Dämmmaterial, Holz und Schrauben. Und begannen, ein mobiles Zuhause für uns zu errichten. Ohne Zeitdruck. Wir wussten ohnehin, dass wir mindestens noch unsere Ausbildung beenden müssten, bevor wir losfahren können. 

Mit Sicherheit sind wir keine Handwerker, haben keine Schraube, kein Stück Holz im rechten Winkel verlegt und eingedreht. Nichts ist perfekt. Und selbstverständlich hätten wir Geld und Zeit einsparen können. Für uns ist es allerdings gut, wie es ist. 

Es bestand kein Zweifel mehr. Wir ziehen es durch. Was soll schon schief gehen?

Vieles, wie wir schnell merkten.

Den Van kauften wir im Oktober. Im Januar ist durch ein Unwetter eine Tanne auf die Motorhaube gefallen. Maderschaden, leere Batterie, eingerostete Bremsen. Alles durch „unser eigenes“ Verschulden. Während des Umbaus (Winter 2017 bis Herbst 2018) stand der Gute in einem ländlichen Gebiet. Und wir haben ihn kein Stück bewegt. Damit hätte man rechnen können.

Aber der Umbau hat uns so viel Freude bereitet, dass diese Fauxpas zu verkraften waren. Wir hatten immer liebe Menschen zur Hilfe um uns herum. (Tausend Dank, Tom! Die wohl größte Hilfe, die wir jemals hätten bekommen können!)

Und jetzt, jetzt sind es nur noch 22 Tage bis es los geht. Die Wohnung ist weg. Alles was wir noch besitzen, ist gut verstaut in ca. 10 Kartons.

Viele fragen uns ob wir aufgeregt sind oder Angst haben. Nein, gar nicht. Wir hatten mehr als ein Jahr Zeit um uns mental darauf vorzubereiten. Dennoch wissen wir absolut nicht was auf uns zu kommt, wie lange wir „durchhalten“ oder welche unvorhersehbaren Katastrophen uns überraschen werden. Denn wir wissen auch, dass nicht alles immer nur wunderschön ist. Dass ein Auto nicht unkaputtbar ist und dass Geld nicht an Bäumen wächst. Aber genau deshalb stressen wir uns nicht. Wir haben jetzt die Möglichkeit dazu, etwas zu wagen. Und können schlussendlich, egal was passiert, nur gewinnen, nämlich eine Erfahrung, die wir ohne all das niemals hätten. Und wenn wir scheitern, dann können wir jederzeit wieder zurück nach Hause kommen.

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