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Interview mit Michelle & Jan

Über uns.

Hey, wir sind Michelle (26 Jahre) und Jan (28 Jahre), zwei reiselustige Naturliebhaber aus dem Westen Deutschlands.

Zusammen mit unserem selbstausgebauten Van Jacques bereisen wir seit Februar 2019 Europa.

Unser Abenteuer begann mit dem Kauf unseres Citroen Jumpers im Mai 2017. Diesen haben wir dann in unzähligen Stunden liebevoll zu unserem rollenden Zuhause umgebaut.

Knapp zwei Jahre später haben wir unsere Jobs gekündigt und sind auf den Straßen Europas unterwegs.

Mit welchem Fahrzeug seid ihr unterwegs und wie seid ihr zu eurem Gefährt gekommen?

Für uns war relativ schnell klar, dass unser Fahrzeug ein Fiat Ducato oder Citroën Jumper werden soll. Die Vorteile waren hierbei die Breite, dass man quer drin schlafen kann und das die Karosserie verzinkt ist und das Fahrzeug somit kaum rostanfällig ist. Nach etwas längerem Suchen haben wir dann unseren anthrazit farbenden Citroën Jumper (L3H2, 158PS, BJ 2008) gefunden. Dieser wurde von Privat angeboten, hatte 142 000 km auf dem Tacho und hat uns knapp 10.000 Euro gekostet + Reparaturen, von denen wir so vorher nichts ahnten. Wir tauften unser neues rollendes Zuhause Jacques, ein spontaner Einfall der uns direkt gefiel als wir einen französischen Namen suchten. 

Warum lebt ihr im Wohnmobil?

Durch Zufall entdeckte Jan auf YouTube Stories und Ausbau Videos anderer Vanlifer und entwickelte immer mehr Interesse daran. Die Idee wuchs dann mit der Zeit und schon wurde das Projekt „Vanausbau“ gestartet.

Anfangs war er nur für Urlaube und vielleicht einer etwa drei monatigen Auszeit gedacht. Der Gedanke, damit aber auch länger zu verreisen, ließ nicht lange auf sich warten. So wurde aus einer anfangs kleineren Idee ein neuer Lebensstil. Wir entwickelten den Wunsch mehr Zeit zum Leben zu haben und den normalen Arbeitsalltag hinter uns zu lassen. Wir wollten die Welt entdecken und vor der Haustüre in dem Kontinent, in dem wir leben, damit beginnen. Jetzt genießen wir die ganzen Freiheiten und das minimalistische Leben.

Welche Länder habt ihr bisher damit bereist?

In verschiedenen Urlauben haben wir mit unserem Van Deutschland, Frankreich, Slowenien und Kroatien bereist. Seit unserem Reisestart im Februar ging es von Deutschland über Luxemburg und Frankreich nach Andorra. Von dort über den Osten Spaniens in den Süden des Landes und anschließend durch Portugal nach Nordspanien.

Und welches davon hat euch bisher am besten gefallen?

Uns hat bis jetzt Portugal am besten Gefallen. Das Land hat tolle Küstenabschnitt, sowohl an der Süd- als auch an der Westküste. Besonders hat uns aber das Inland mit den Gebirgen, Seen, Wäldern und den süßen Örtchen überrascht und gefallen. Dazu noch die super freundlichen Menschen (die perfekt englisch sprechen, was nicht selbstverständlich ist, wie wir gelernt haben) macht das ganze zu einem perfekten Reiseland.

Campingplatz oder Freistehen?

Freistehen, aber das respektvoll! Das bedeutet nicht in direkten Blickfeld von Häusern oder Wohnungen, nicht in Nationalparks und auch nicht dort wo es mehr als deutlich verboten ist.

Wir haben bis jetzt erst einmal einen Campingplatz angefahren um zu waschen und zu duschen. Die Duschen waren nicht so optimal wie wir sie uns vorgestellt haben, es gab nur eine kalte Waschmaschine und die Aussicht konnte auch nicht mit Freistehplätzen mithalten. Warum dafür also Geld bezahlen? 😉

Zweimal haben wir einen kostenpflichtigen Park-/Stellplatz angefahren um größere Städte besuchen zu können und wir keine andere Möglichkeit gefunden haben. Aber für uns steht Preis und Leistung eines kostenpflichtigen Stell-/Campingplatz oft nicht im richten Verhältnis.

Außerdem lieben wir es in der Natur mit grandiosen Aussichten den Tag zu beginnen und zu beenden.

An welchem Platz standet ihr bisher am längsten?

Beide Plätze, an denen wir bis jetzt am längsten gestanden haben, waren in Portugal. Einmal in Tavira und einmal in Quarteira, dort haben wir jeweils drei Nächte verbracht. Der Grund? Nette Nachbarn und grandioser Platz mit toller Aussicht 🙂

Wie finanziert ihr das?

Wir haben vor der Reise gespart, etwa ein Jahr. Zusätzlich haben wir uns aber auch selbständig gemacht. Da wir beide Softwareentwickler sind und das ein idealer Job für „on the road“ ist, lag das auf der Hand. So verbringen wir wöchentlich ein paar Stunden mit arbeiten um unser Vanlife zu finanzieren.

Wie viel Zeit habt ihr für den Ausbau benötigt?

Wir haben das Auto im Mai 2017 gekauft und dann direkt mit dem Ausbau losgelegt. Jedoch konnte wir das zeitlich und Platz bedingt immer nur am Wochenende machen. Einmal haben wir uns gut 2 Wochen Urlaub dafür genommen um mal ein gutes Stück voran zu kommen. Das ganze ist dann kurz vor unserem Reiseantritt fertig geworden. Also knapp 2 Jahre.

Würdet ihr in Bezug auf den Ausbau im Nachhinein etwas anders machen?

Bei uns fiel während der Reise jetzt schon oft der Satz „Beim nächsten Mal machen wir das aber so und so“ oder „Wir hätten es doch so oder so machen sollen“. Im Großen und Ganzem sind wir super zufrieden mit unserem Ausbau und stolz darauf was wir ohne handwerkliches Können auf die Beine gestellt haben. Im Nachhinein ist es leicht zu sagen wie man was hätte besser machen können. Aber folgende Sachen würden wir nocheinmal überdenken: Küche in der Schiebetür muss nicht unbedingt sein, man schaut beim Kochen dann doch nicht so oft raus wie man sich das vorgestellt hat. Mehr Sitzfläche hinter den Fahrersitzen, damit man auch mal zu zweit im dunkeln geschützt vor neugierigen Blicken den Abend verbringen kann. Ein Dreiplattenherd muss vielleicht auch nicht unbedingt sein, Arbeitsfläche braucht man vielleicht dringender und die Sitzbank die wir extra einbauen haben lassen, damit wir noch zwei weitere Leute mitnehmen können, würden wir so wahrscheinlich auch erstmal nicht mehr einbauen lassen.

Wie viel Power hat eure Solaranlage? Reicht euch das?

Wir haben drei Platten à 100 Watt. Also ingesamt 300 Watt und die reichen (bis jetzt) vollkommen aus. Die Energie wird in 2 Batterien à 150 Ah gespeichert. Job bedingt brauchen wir eine Menge Strom und wir haben keine Probleme, selbst bei bewölktem Wetter lädt die Anlage ziemlich gut. Für den Notfall können wir aber auch Landstrom anschließen oder die Batterien über die Lichtmaschine laden.

Wie viel Volumen hat euer Wassertank? (Frischwasser, Grauwasser)

Unser Frischwassertank hat ein Volumen von 84 Liter und dazu haben wir noch einen Notfallkanister von 10 Litern an Board. Den brauchen wir meist zum duschen. Wir haben Wasserfilter eingebaut damit wir, egal welches Wasser wir tanken, dieses auch trinken können. So sparen wir uns das Geschleppe und Verstauen von Wasserflaschen. Mit dem Frischwasser kommen wir etwa 4 Tage aus. Fürs Abwasser haben wir einen 30 Liter Kanister und das passt für uns so auch völlig.

Welche Toilette habt ihr eingebaut?

Wir haben die Trenntoilette Privy von Separett verbaut und würden das jeder Zeit wieder genau so machen. Anfangs in unseren Urlauben hatten wir ein Porta Potti an Board, das Entleeren hat aber keinen Spaß gemacht und war echt unangenehm. Zusätzlich sind wir absolut keine Fans von den Chemikalien die darein „müssen“ und wollten auch das Wasser sparen. Deshalb sind wir auf eine Trenntoilette umgestiegen.

Hat das Leben im Van für euch auch Schattenseiten? Musstet ihr Abstriche machen, die euch schwer gefallen sind?

Schattenseiten hat das Vanlife bis jetzt für uns noch nicht wirklich. Wir nehmen die täglich neuen Herausforderungen gerne an und mögen den minimalistischen Lebenstil. Was uns schwer gefallen ist, war der Abschied von Freunden und Familie. Man vermisst seine Liebsten und ist auf einmal ganz auf sich und seinen Partner gestellt. Dank Telefonie und Video-Anrufen meistern wir die neue Situation aber ganz gut und das Wiedersehen erscheint einem noch wertvoller als vorher. 

Auch die warme selbstverständliche Dusche fehlte anfangs 😀 Aber uns gefällt das Vanlife super und wir würden uns jederzeit wieder dafür entscheiden.

Was gefällt euch richtig gut am Vanlife?

Die Freiheit jeden Tag so zu gestalten wie man ihn sich wünscht. Jeden Morgen an einem anderen schönen Ort aufzuwachen und neues zu Erkunden und Entdecken ist einfach richtig toll. Auch wenn man nicht immer in der Natur und auf Plätzen übernachtet, wie man sich das Leben im Auto so vorstellt, hat die Umgebung immer was neues und man lernt jede Menge neue Dinge kennen. Man lernt auch das nicht alles selbstverständlich ist, was man bisher als solches empfunden hat (Wasser, Strom, etc.). Dadurch lernen wir unteranderem immer umweltbewusster und minimalistischer zu leben und das ist ein schönes und befreiendes Gefühl.

Könnt ihr ein Produkt empfehlen, dass ihr im Van auf keinen Fall mehr missen möchtet?

Jaaaa den Omnia Backofen 😀 Michelle liebt es frisches Brot und Kuchen zu backen, selber Knusper-Müsli herzustellen oder Aufläufe zu machen. Der Omina Backofen ist also nicht mehr wegzudenken 🙂 

Außerdem unverzichtbar für uns: die Trenntoilette. Wir sind super froh, dass wir ein Klo an Board haben und möchten dieses nicht mehr missen.

Die Wasserfilter haben sich auch gelohnt. Wir finden es toll uns keine Gedanken um sauberes Trinkwasser machen zu müssen.

Was esst/kocht ihr im Auto am liebsten?

Wir haben so kein Lieblingsgericht. Wir kochen alles worauf wir Lust haben und probieren alles aus. Da wir sehr gerne Kochen haben wir auch ziemlich viel Kochutensilien an Board. So müssen wir in der Küche selten Abstriche machen und können nach Herzenslust alles zubereiten worauf wir Lust haben. Der einzige Wunsch, den wir uns hoffentlich Bald erfüllen, ist einen guten Mixer an Board zu haben. Das ist zur Zeit die einzige Einschränkung, was das Kochen angeht. Also Daumen drücken, dass unser Stromkreis mitspielt 😀

Gibt es etwas, dass ihr anderen oder zukünftigen Vanlifern mit auf den Weg geben könnt?

Alle die überlegen ob das Vanlife was für einen ist, sollen es einfach mal für ein Wochenende oder Urlaub ausprobieren. Und wenn die Entscheidung gefallen ist, traut euch den ersten Schritt zu machen, es lohnt sich! Wenn der erste Schritt gemacht ist folgen die nächsten fast automatisch. Und wenns mal schwierig wird und nicht so läuft wie geplant: durchhalten!

An alle Vanlifer: Genießt jeden Augenblick und macht das woran ihr Spaß habt und was euch glücklich macht. Dabei aber nie vergessen, dass es die Welt nur einmal gibt. Nehm Rücksicht auf ander Menschen, ob Einwohner, Camper oder Dienstleister, egal wen. Und vor allem respektiert die Umwelt, hinterlasst jeden Platz ein bisschen besser wie ihr ihn vorgefunden habt, benutzt umweltfreundliche Produkte und respektiert die Tiere und deren Lebensraum.

Happy travels,

Michelle und Jan

Wenn ihr gern mehr über die Beiden erfahren möchtet, findet ihr sie bei Instagram unter @our.vanderlust

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