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Zwischen Traumstrand, Zigeunermarkt und Zahnarztpraxis.

Teil 2

Tag 36 – 3. März 2019 

Quarteira, eigentlich ein unspektakuläres Dorf in der Nähe von Faro. Das hauptsächlich von großen Blöcken geprägte Stadtbild ist jedoch nicht alles was dieser Ort zu bieten hat. Dank der „Park4Night-App“ finden wir wieder mal einen überragenden Stellplatz, etwa 3 Kilometer außerhalb der Stadt, direkt am Meer. Wir kamen gegen 16 Uhr an und machten erstmal einen – für uns – ausgiebigen Strandspaziergang. Apropos, wir bemerkten in den letzten Wochen, dass unsere Ausdauer dringend ein bisschen aufgepäppelt werden sollte. Schon nach 30 Minuten durch die Stadt bummeln, brauchten wir erstmal einen starken Espresso und eine genauso lange Pause. Naja, wir warten noch immer auf die vom Himmel fallende Auffrischung. 

Wir verbrachten 3 Nächte in Quarteira, bis es uns zurück nach Tavira zog. Zumindest fast, in einem kleinen Dorf etwa 10 Kilometer vor Tavira machen wir halt. Es war circa 14 Uhr, wir fahren über eine enge Landstraße in das Örtchen Fuzeta. Schon als wir das Ortseingangsschild sahen, wehte uns der hervorragende Geruch von einem lodernden Rost entgegen. Als wir an diesem vorbei fuhren sahen wir wie viele Einheimische in einem kleinen Lokal den frisch gebratenen Fisch verschlingen. Der Appetit übermannte uns und wir setzten uns in das in die Jahre gekommene Restaurant. Wie sich später rausstellte war das eine super Idee, seit diesem Tag waren wir 3 weitere Male dort essen. Der Kellner bietet uns ein Menü an, ein Glas Wein, Oliven und Brot, Prato do Dia (Teller des Tages), und ein Dessert. Gut, dachten wir. Wir versuchen es einfach mal. Aber mit dieser Qualität hatten wir nicht gerechnet, wir kannten den Preis von diesem Menü 8,50€ pro Person, und waren der Meinung wir bekommen einen kleinen Fisch serviert. Nein, eine Platte die wahrscheinlich für 3 Tage gereicht hätte kam auf den Tisch. Lachs, Scholle & Kabeljau. Und das für 8,50? Wahnsinn. 

Am Nachmittag ging es dann doch wieder zurück nach Tavira, denn uns auf einen Parkplatz direkt vor einem Campingplatz zu stellen, war uns dann doch etwas zu dreist. 

Nach 2 weiteren Tagen in Tavira, leckerem Thunfischsteak-Burger in einem Hafenlokal und netten Bekanntschaften auf dem Markt, geht es wieder zurück nach Quarteira.

Tag 44 – 11. März 2019

Wieder an den tollen Strand, welcher wieder warmes, sonniges und trockenes Wetter bietete. Am Abend beschlossen wir einen Spaziergang zur Promenade von Quarteira zu machen. In einem jungen und hippen Tapas-Laden beschlossen wir eine Kleinigkeit zum Abendbrot zu essen. Es war ein netter Laden schmackhafte Tapas, guter Wein aber alles in allem nichts Besonderes.

Das das eigentliche Highlight an diesem Tag noch auf sich wartet, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Gegen 22 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Van, dort angekommen beschlossen wir noch ein wenig zu sitzen, eine runde Scrabble zu spielen und die letzten Weintrauben vom Markt zu vernaschen. Nach einer Weile passierte es dann. Nachdem ich auf einen Kern in einer Traube gebissen habe, knackte es merkwürdig in meinem Mund und ich hatte ein Viertel meines Backenzahns in der Hand. Mist, dachte ich. Und jetzt? Auslandskrankenversicherung haben wir ja, aber Zahnarztkosten? Tausende Gedanken schossen durch meinen Kopf. Zahnarztpraxen standen für mich nicht gerade ganz oben auf der Liste „Orte-die-ich-unbedingt-besuchen-möchte“. Aber ich wusste, da führt jetzt kein Weg mehr dran vorbei. Aber jetzt hieß es erstmal schlafen legen und morgen früh hoffen es war nur ein schlechter Traum.

Fehlanzeige. Am nächsten Morgen war alles beim alten, scharfkantiger Zahn der bereits meine halbe Zunge aufgeschlitzt hat. Also suchten wir bei Google den nächsten Zahnarzt raus. Wir fuhren in die Praxis „Dentista de Quarteira“. Dort angekommen und nach kurzem begutachten des Wartezimmers, dachte ich noch einmal an meine Liste zurück. Hier will ich garantiert nicht behandelt werden! Neben zerfetzten Sesseln und dem Geruch nach einem Kindergarten in bester Grippezeit, gab mir die Sprechstundenhilfe den Rest. Unfreundlich erklärte sie mir es gäbe keinen Termin vor morgen Nachmittag. Mit hängendem Kopf verließen wir die Praxis und überlegten wie es jetzt weiter gehen soll. Wir zogen das Internet zur Hilfe, einige Foren schreiben über den Zustand der portugiesischen Praxen und empfehlen einen deutschen Zahnarzt in Carvoeiro. Gesagt, getan. Nach kurzer Rücksprache stand der Termin fest. 17.30 Uhr, Mittwoch, 13. März.

Noch eine Nacht in Quarteira und eine Nacht im netten Carvoeiro trennten mich von der Behandlung. Diese beiden Tage vergingen natürlich eher zäh.

Tag 46 – 13. März 2019 

Der große Tag. Meine erste zahnärztliche Behandlung außerhalb Deutschlands. Ich bin aufgeregt. Überpünktlich fahren wir zu Dr. Marcus Letsch. Mit zittrigen Knien gehts über das üppige Gelände in die Praxis. Wow! Was für eine Praxis! Nie habe ich so ein modernes, designsicheres und sauberes Wartezimmer gesehen. Nach kurzem Gespräch mit der Schwester setzten wir uns. Jetzt heißt es warten. 20 Minuten, welche sich anfühlten wie 4,5 Stunden. Dann kam die Schwester und brachte mich ins Behandlungszimmer zum Doc. Ich erklärte ihm mein Problem, auf deutsch. Er spricht sowohl deutsch als auch portugiesisch wie ein Muttersprachler. Ohne groß zu zögern verabreichte er mir eine Betäubung, der Zahn muss ausgebohrt werden und dann mit einer Kunststofffüllung gefüllt werden. Der deutsche Instinkt in mir dachte die ganze Zeit nur an die immensen Kosten die auf uns zu kommen. Bei dem Wartezimmer..

Naja, jetzt erstmal die Behandlung durchziehen. Da hinter dem betroffenen Zahn gerade der Weisheitszahn kommt, war eine Betäubung nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Nach 3 Spritzen habe ich dann aber wirklich nichts mehr gemerkt. Nur noch das Bohren habe ich gehört und das sehr, sehr lange. Nach 45 Minuten war es dann geschafft. Zahn ist wieder heil und sieht aus wie neu. Vielen Dank, Herr Dr. Letsch! Jetzt ging es noch an die Bezahlung. Auf alles vorbereitet ging ich an die Aufnahme und wartete auf meine Rechnung. Das Resultat: 100€! Dieser Betrag entspricht nicht selten der Zuzahlung einer ähnlichen Behandlung in Deutschland. Erleichtert und mit taubem Gesicht verlassen wir die Praxis. Nach kurzer Verschnauffpause und wieder mehr Gefühl in der Wange fahren wir nach Benagil, ein kleines Dorf etwa 10 Kilometer weiter.

Da wir leider erst relativ spät dort angekommen sind, sehen wir nicht viel von den hochgelobten Höhlen von der Praia de Benagil. Das wollten wir uns dann für den folgenden Tag vornehmen. Gegen 23 Uhr hauen wir uns aufs Ohr. Gegen 5 Uhr morgens werde ich wach, ich habe ein komisches Gefühl an der Lippe. Einmal umgedreht und mir nichts dabei gedacht schlafe ich weiter. Um 9 wache ich wieder auf, Bea schläft noch. Wieder fällt mir das komische Gefühl an meiner Lippe auf. Nach kurzem abtasten zücke ich mein Handy und aktiviere die Frontkamera. Ach du Sch..! Meine Lippe ist auf 300% ihrer Normalgröße angeschwollen. Hektisch rufe ich in der Praxis von Dr. Letsch an und schildere mein Problem, die Schwester sagte mir ich solle in 20 Minuten in der Praxis sein. Schnell alles zusammengepackt und mit leerem Magen geht es also in erhöhter Geschwindigkeit zurück nach Carvoerio in die Praxis. Der Doc erklärte mir, dass es sich dabei nur um eine allergische Reaktion handeln kann und beruhigt mich. Er verschreibt mir ein Antiallergikum. Weiter geht’s schnell zur nächsten Apotheke, die gibt es Gott sei Dank an der Algarve wie Sand am Meer. Schnell so eine Tablette eingeworfen, versuchen wir erstmal weiter zu machen wie bisher. Alltag. Wasser holen, Gaskartuschen besorgen, einkaufen gehen. Dann stellten wir uns die Frage wie wir jetzt weiter machen. Ich – wieder sehr übervorsichtig wollte nicht irgendwo in der Pampa stehen, wer weiß was jetzt noch alles passiert.

Also haben wir beschlossen uns eine kleine Airbnb in Portimao zu buchen. Das erste mal nach 41 Tagen in einer Wohnung schlafen, kochen und uns waschen. Wir kommen 13 Uhr am Appartement an und Miguel begrüßt uns mit seiner Frau. Wirklich nette Gastgeber! Eine tolle Wohnung mit stilvoller Einrichtung wird für eine Nacht unser Heim sein. Das alles bekommen wir für einen wirklich günstigen Preis von 35€ die Nacht. Wir genießen die Zeit und nehmen ein heißes Bad. Am Abend gibt es selbstgemachte Burger mit Guacamole. Die Gedanken über das Geschehene sind verflogen.

In diesem tollen Appartement konnten wir die Nacht nach den ereignisreichen Tagen verbringen:

Falls ihr auch mal so ein tolles Appartement findet sollten nutzt einfach unseren Empfehlungslink von Airbnb, ihr bekommt dann einen Rabatt von 25€ und wir können uns über eine Prämie im Wert von 15€ freuen.

Wir haben beschlossen uns in Zukunft häufiger mal einen Aufenthalt in einer Airbnb zu gönnen. Wir können ein heißes Bad nehmen, uns etwas leckeres mit einem Backofen zubereiten und häufig sogar dank einer Waschmaschine im Apartment unseren meist großen Wäschehaufen waschen. 

Am nächsten Tag geht unsere Reise im Van weiter, zurück nach Tavira. In 5 Tagen bekommen wir nämlich Besuch und wollen in der Nähe vom Flughafen von Faro sein um diesen in Empfang zu nehmen. 

Y.

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