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Von arabischen Märkten, Flirtportalen und dem Wilden Westen.

Teil 1

70 Tage ist es nun her, unsere erste Nacht auf unserem Roadtrip durch Europa. Es ist an der Zeit ein Fazit zu ziehen. Was haben wir erlebt? Was haben wir gelernt? Was werden wir ändern? Was finden wir gut? Was finden wir schlecht? Wie geht es weiter?


Tag 1 – Sonntag, 27. Januar 2019

Wir stechen in See, oder besser gesagt auf die A5 Richtung Straßburg. Unser Ziel: Andalusien, Südspanien. 4 Zwischenübernachtungen auf einer Strecke von 2´500km macht circa 500km am Tag. 

Anstrengend, aber wir müssen in den warmen Süden, da wir uns gegen eine Standheizung entschieden haben. Ob das eine schlechte Idee war? Das kann man mit einem ganz klaren „Jein“ beantworten. Sie hätte uns die Freiheit verschafft, überall, unabhängig von Wind & Wetter einfach stehen zu bleiben. Es hätte uns jedoch nochmal ca. 700 € gekostet. Da wir von vornherein geplant haben vor dem Winter zu fliehen und den Sommer zu jagen war es die richtige Entscheidung uns diese Summe für andere Dinge aufzusparen. Für überraschend kalte Nächte zwischendurch haben wir aber trotzdem eine kleine Gasheizung, welche einen super Job macht.

Tag 5 – Donnerstag 31. Januar 2019

Unsere erste Nacht im Van. Wir fahren von unserem letzten Hotel ca. 200 km südlich von Barcelona nach Platja de Nules. Es ist ein wunderbarer und zugleich etwas gruseliger Ort. Wir wussten und wollten in der Nebensaison nach Spanien kommen aber mit dieser Menschenleere haben wir nicht gerechnet. Jedes Haus, jeder Laden, jedes Restaurant – leer. Nur der Leuchtturm strahlte in der Nacht über das Meer. Es war ein sehr magischer Moment. Wir hatten bereits ein paar Nächte vorher im Van verbracht, aber jene waren nicht vergleichbar mit dieser. Es war der Beginn eines neuen Abschnitts, einer außergewöhnlichen Reise. Zugleich war diese Nacht auch die wärmste Nacht im Van, welche wir in den letzten 3 Monaten erlebt haben (und das im Januar).

Unsere Reise hat also begonnen, wir mussten erstmal realisieren was das bedeutet. Weg von allem Vertrauten, weg von Familie und Freunden. Auf uns allein gestellt zu sein. Eine ganz tolle Erfahrung. Wir haben schon lange eine sehr enge Verbindung, aber die letzten 3 Monate haben uns noch einmal mehr gezeigt, was für ein großartiges Team wir sind.

Die ersten 3 Wochen

Es war eine schnelllebige Zeit. Wir haben entdeckt, wir haben erkundet. Wir waren so neugierig. Wir wollten alles, im Nachhinein können wir sagen wir wollten zu schnell, zu viel. Innerhalb von 3 Wochen haben wir 4´000 Kilometer mehr auf dem Tacho. Spanien ist an uns vorbeigezogen. Wir haben viel mitgenommen, so viel, dass es schwer ist sich an alles zu erinnern. Jedoch bleiben ein paar Dinge hängen, für immer.

Spanien hat uns gezeigt, was Vanlife bedeutet, sowohl positiv als auch negativ.
Wir wussten von Anfang an, dass unser Leben sich nicht in dem Auto abspielen wird sondern auf den Straßen und Feldern der Länder, die wir bereisen. Umso schockierter waren wir über so manch anderen „Camper“. Und fragten uns oft: Was machen die den ganzen Tag? Ich möchte niemandem zu nahe treten und schon gar nicht belehren. Aber..
Ein Land zu bereisen, welches 2`500 Kilometer von Deutschland entfernt ist, will doch erkundet werden? Stattdessen erleben wir oft das Wohnmobile von früh bis spät nicht geöffnet werden, außer um kurz eine Zigarette rauchen zu gehen. Viele Wohnmobile kommen an, und das erste was sie tun, ist ihre Satellitenschüssel aufstellen. Jeder hat seinen Stil zu reisen, für mich ist es jedoch traurig zu sehen wie manch einer nicht ganz schätzen kann, wo er sich gerade befindet.

Sorry, das musste kurz raus. Weiter geht’s.

Unsere ersten paar Tage im Van waren intensiv, wir haben Dinge erlebt die uns schockierten, zum schmunzeln brachten, uns ärgerten und uns sprachlos machten.

Tag 6 – Freitag, 01. Februar 2019

Bereits am zweiten Tag Vanlife kam es zu einer skurrilen Situation. Wir haben uns nach der ersten Nacht einen Neuen Stellplatz gesucht dieser war in Cullera. Ein toller Platz weit ab von der Zivilisation, dachten wir bis dahin zumindest. Wir fühlten uns wohl und waren anfangs auch nicht die einzigen auf dem Platz, wir teilten und das kleine Stück Land mit 2 weiteren Vans. Wir waren gerade 30 Minuten auf dem Platz als etwa 50 Meter neben uns ein Auto anhielt. Erstmal nichts besonderes, dachten wir uns. Doch nach etwa einer Stunde kam ein junger Spanier auf seinem Roller auf den Platz gedüst und kam zu uns. Er kein Wort Englisch und wir kein Wort Spanisch. Trotzdem hat er uns aufgeklärt, was es mit diesem Platz auf sich hat. Es ist ein Treffpunkt für Spanier auf der Suche nach „heißen Flirts in der Umgebung“.
Oh! Da wir im Moment eher nicht auf der Suche danach sind haben wir beschlossen den Platz zu räumen, um niemandem in die Quere zu kommen. Unser neues Ziel hieß also: Altea. Etwa 30 Kilometer weiter, ist ja kein Problem, dachte ich mir. Halbes Stündchen über die Spanische Landstraße und schon sind wir da. Naja, da war ich wohl etwas übermütig. 30 Kilometer Spanische Landstraße kann nämlich auch bedeuten: 10 Kilometer über einen etwa Auto-ähnlich breiten Feldweg und 20 Kilometer durch gefühlt 3’000 Serpentinen zu fahren. Nach 2 Stunden und mitten in der Nacht kamen wir dann also an in Altea. Bereits bei der Ankunft haben wir bemerkt, dass  sich der Weg gelohnt hat. Ein friedlicher Parkplatz hinter einem sehr noblen Hotel, direkt am Meer.
Am nächsten Tag haben wir Altea selbst erkundet, ein tolles Örtchen, welches an einem Hang liegt und einen tollen Blick über das Meer bietet. Wir blieben 2 Tage in Altea und haben die Zeit sehr genossen. Leider hat es uns wortwörtlich dort weggeweht. Ein Sturm hat uns gezwungen weiter zu fahren.

Die folgenden Tage waren eher unspektakulär, wir waren verwöhnt von den ersten beiden Stellplätzen. Deshalb fühlten wir uns oft unwohl an den Orten, die wir an den nächsten Tagen anfuhren. Wir haben lange gesucht, nach einem Platz der uns gefällt. Wir bemerkten, dass wir häufig zu viel Zeit mit der Suche nach dem richtigen Stellplatz verplemperten. Wir ließen viel liegen, sind an vielen Orten einfach vorbei gefahren. Das bereuen wir heute, dazu aber später mehr. Nach ein paar Tagen und 500 km weiter haben wir jedoch wieder einen tollen Platz direkt am Strand gefunden und eine noch schönere Stadt kennengelernt.

Tag 11 – Mittwoch 6. Februar 2019

Angekommen in dem kleinen Dorf, Playa Granada, erwartete uns ein wirklich toller Stellplatz. Hier verbrachten wir ganze 3 Tage, so viel wie noch nie. Wir fühlten uns wohl, das brauchten wir auch dringend nach den letzen Tagen, die eher an die Suche nach der Nadel im Heuhafen ähnelten. 

Tolles Wetter begrüßte uns an einem Parkplatz direkt am Strand. Viele Wohnmobile haben sich hier angesiedelt, was uns Anfangs noch störte, mit vielen anderen Campern an einem Ort zu stehen, war plötzlich wie weggepustet. Wir haben gelernt damit umzugehen. Und es hat sogar einen Vorteil sich mit vielen Anderen einen Ort zu teilen: Sicherheit. Wir fühlten uns Nachts einfach besser, mit dem Gedanken zu wissen da sind noch Andere, die das gleiche machen wie wir. 

Mir war es immer ein ungutes Gefühl irgendwo in der Pampa zu stehen, mutterseelenallein. Wenn etwas passiert, wer bekommt es dann mit? Sicherlich ist es übertrieben und auch übervorsichtig. Aber mir ist es dann doch sicherer einmal mehr vorsichtig zu sein als einmal zu wenig.

Am ersten Morgen standen wir auf und machten uns Frühstück. Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, unter Palmen am Meer zu sitzen und frisches Obst zum Frühstück zu genießen.

Später fuhren wir in die Stadt, welche Namensgeber für den kleinen Strandort ist: Granada.

Das einzige was ich vorher von dieser Stadt kannte war die Alhambra, die am häufigsten besuchte Touristenattraktion Europas. Also müssen wir das auch sehen. Angekommen in Granada auf einem Parkplatz für Wohnmobile, (ja, das war ein Fehler) welcher 11€ für 3 Stunden kostete, machten wir uns zu Fuß auf den Weg zur Alhambra. Vor und hinter uns gefühlt 200 gut gelaunte Asiaten. An den Toren der Burg angelangt, passierte dann natürlich das was passieren musste. Wir waren wirklich so leichtgläubig, dass man die Alhambra einfach so besuchen konnte. Nein, alles ausgebucht für heute, morgen und übermorgen. Nach der kurzen Überlegung, welche wir aber direkt über Bord warfen, uns einfach unbemerkt einer Gruppe englischer Schüler anzuhängen, ging es in die Innenstadt. Ein weiterer Wow!-Moment auf unserer Reise, eine Stadt welche man nur schwer beschreiben kann. Eine Mischung aus Dresden, Budapest und Marrakesch trifft es vielleicht am besten. Eine junge Studentenstadt mit einem markanten arabischen Flair. Wir liefen durch die Gassen und kamen an der „La Alcaicería“ an. Einem arabischem Markt mitten in der Stadt. Edle Stoffe, farbenfrohe Teppiche, funkelnde Öllampen und der Duft der ein oder anderen Wasserpfeife. Später ging es dann mit dem öffentlichen Bus zurück zur Alhambra. Zurück am Parkplatz knallte mir dann der Parkautomat die utopische Summe um die Ohren, ich blieb jedoch – für meine Verhältnisse – sehr entspannt. Ob das an den letzten 2 Wochen liegt oder an den Dämpfen der Wasserpfeifen kann ich nicht genau sagen. 

Die nächsten Tage brachten uns durch Marbella und durch das wunderbare Cadiz, wieder mal viel zu schnell, in den Westen Andalusiens. Ein kleines Dorf erwartete uns am Rande des Doñana Nationalparks. 

Tag 21 – Samstag, 16. Februar 2019

El Rocío, ein Dorf etwa 15 Kilometer von der Küste entfernt. Wir haben vorher nie davon gehört, umso erstaunter waren wir als wir durch die Straßen liefen. Eigentlich, gab es gar keine Straßen, zumindest nicht so, wie wir sie kennen. Kein Teer, keine Pflastersteine, kein Kies. Nur Sand hat die Häuser, welche aussahen wie ein alter Saloon, voneinander getrennt. Kutschen und Pferde haben das Stadtbild untermalt. Wir haben uns gefühlt, wie im Wilden Westen, wie in eine Zeit im 19. Jahrhundert zurückversetzt. El Rocío ist ein bekannter Wallfahrtsort und zu Pfingsten soll die Stadt voll mit Pilgern und Brüderschaften sein. Am Abend waren wir in einem typisch spanischen Lokal essen. Es gab eine hervorragende Paella. 

Die zwei darauffolgenden Tage verbrachten wir an der Küste, eigentlich wollten wir bereits an einen anderen Stellplatz fahren. Dieser lag aber hinter einem Pfad aus Sand und Kies. Da es regnen sollte, wollte ich nicht riskieren mich dort festzufahren. Doch am Dienstag, als das Wetter wieder besser wurde, sind wir genau an diesen Platz gefahren.

Tag 24 – Dienstag, 19. Februar 2019

Inmitten der Natur gelegen, direkt am Doñana Nationalpark, lag dieser überragende Stellplatz. Wir verbrachten hier 3 Nächte in absoluter Ruhe. Hier lasse ich am besten die Bilder für sich sprechen, denn dieser Ort hat mich mehr als sprachlos gemacht! 


Tag 27 – Freitag, 22. Februar 2019

An diesem Tag ging es weiter, wir haben uns morgens unser Frühstück zubereitet und besprochen wie es an diesem Tag weiter gehen soll. Wir sind in der Nähe von Huelva, der westlichsten Stadt von Andalusien. Weiter im Westen kommen nur noch ein paar Dörfer und „künstlich angelegte“ Touristenhochburgen. Also haben wir beschlossen an bereits diesem Tag nach Portugal zu fahren. Wir haben also Spanien in 3 Wochen an uns vorbei ziehen lassen. Wir hätten niemals gedacht, dass wir so schnell in Portugal sind. Aber zurück fahren war zu diesem Zeitpunkt keine Option für uns. Wir hatten Lust auf etwas Neues. 

Also hieß es: nochmal tanken gehen und ab nach Portugal. (Tanken gehen war wichtig weil: die Dieselpreise sind in Spanien deutlich günstiger als in Portugal, häufig geht es um 30 – 40 Cent pro Liter!) 

Dank der Zeitzone waren wir gegen 13 Uhr in Portugal, wir haben uns überhaupt nicht informiert und fahren somit komplett ahnungslos in ein neues Land. Von Andalusien aus gibt es 2 Wege nach Portugal. Der eine über die Fähre, der andere über die Autobahn. Fähre kostete 11€, dem deutschen Geiz in mir war das zu viel. Deshalb also über die Autobahn. Über eine Brücke, die Spanien und Portugal trennt und einen tollen Ausblick auf den Río Guadiana bietet, welcher die natürliche Grenze bildet. Wir fahren also in das mehrfach ausgezeichnete schönste Land Europas.
Keine 500 Meter gefahren, rutschte mir das Herz in die Hose als mich große Verkehrsschilder mit der Aufschrift „ELECTRONIC TOLL ONLY“ anlachten. Also direkt runter von der Autobahn, erstmal googeln. Fazit: Ich verstehe nur Bahnhof und fahre deshalb Landstraße. Landstraße ist eh viel besser, man sieht mehr vom Land und kann jederzeit an einem wunderbaren Ort Pause machen.

Bevor wir uns auf die Suche nach einem Stellplatz machen, mussten wir erstmal einkaufen gehen. Schockiert von den Preisen in einem kleinen Tante Emma Laden in einem der ersten Dörfer Portugals, machten wir erstmal schlau wo man am besten einkaufen gehen kann. Ganz oben auf der Liste steht natürlich der Markt, wir haben für uns aber auch einen günstigen Supermarkt gefunden, bei dem wir all das kaufen, was wir auf dem Markt nicht bekommen. Seine Name ist: Pingo Doce.

Mit gefülltem Kühlschrank und Gemüsenetz ging es nun an die Suche nach einem geeigneten Stellplatz. Es verschlug uns nach Tavira. 

Tavira

Eine Stadt die unvergleichbar auf unserer Reise ist und für uns für immer in die Geschichte eingeht. Warum genau diese Stadt? Tja, schwer zu erklären. Aber es ist einfach die Stadt, an der wir uns seit dem ersten Tag wohl fühlen, nicht nur wohl fühlen sondern auch zuhause.

Tavira strahlt eine bezaubernde Ruhe aus, viele kleine Lokale laden dazu ein einen Weißwein zu trinken und ein wenig Tapas zu essen. Verhältnismäßig zum Rest der Algarve, ist die Stadt wenig touristisch und vergleichsweise günstig. 

Wir verbringen hier unsere ersten 8 Nächte an der Algarve, bevor es weiter geht. Über Vale de Lobo ein kleines Dorf welches vom Golf-Tourismus geprägt ist, führt es uns an (für uns) den schönsten Strand der Algarve. 

Y.

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